Zwischenstand meiner persönlichen “Road to Munich”: No ticket from the UEFA und koane Kadde vom FCB. Zefix nochmal. Doch es ist wie so oft im Leben: wenn Gott ein Fenster schließt, öffnet er ein anderes und man erblickt einen Silberstreif am Sky. Doch was heißt das jetzt konkret?
Im ersten Teil meines Berichtes hatte ich die erfolgsversprechendsten Ticketquellen kurz angerissen. Naja, das mit dem offiziellen Kanälen war wohl nix. Viele Tickets verteilt die UEFA auch an ihre Sponsoren und Partner. Und was machen diese damit? Der ein oder andere wird wohl tatsächlich selber hingehen, manche werden die Karten verticken (vom EM Halbfinale 2008 hab ich auch noch eine vor dem Stadion gekaufte Karte mit dem Aufdruck “Broadcast Partner”) und andere nutzen die Tickets eben für virales Marketing. 1 Karte als Verlosungsobjekt bei einem Gewinnspiel bringt Tausende Fans bei Facebook z.B. Wobei da auch der ein oder andere auf den Zug aufgesprungen ist, ohne überhaupt eine Karte zu besitzen. Einfach ein Ticketbildchen aus ebay geklaut, Bildunterschrift “Unter allen die hier liken verlosen wir zwei Tickets fürs Finale” und schon sag hallo zu zigtausenden neuen Fans auf Deiner Facebook-Seite. Gewinnen tut natürlich Erna Müller aus Hückelshoven, von der man hernach hat nie mehr was gehört. Trotzdem, das ein oder andere seriöse Gewinnspiel gab es tatsächlich. Wobei man auch hier wieder sagen muss, dass die Chancen im Normalfall extremst gering sind. Mehr als 2 Karten gibts wohl kaum zu gewinnen und teilnehmen tun in der Regel bei geradesolchen Gewinnspielen mehrere Tausend Interessenten. Man kann nun also hingehen und seine Zeit damit verschwenden, jedes Gewinnspiel, bei dem es CL-Tickets gibt, herauszusuchen, und sich dort einzutragen. Wenn man bei jedem eine Chance von 1 : 10000 hat, hat man nach der Teilnahme an 10 solcher Gewinnspiele dann immerhin schonmal eine Chance von 0,1 %, beim großen Spiel dabei zu sein. Das ist doch schonmal was
Selbst ist der Mann
Ich mag natürlich effizientere Möglichkeiten und daher halte ich mich mit sowas eigentlich nicht auf. Klar, einen trifft es letztendlich auch bei solchen Verlosungen, aber besser steckt man Zeit und Mühen in andere, vielversprechendere Möglichkeiten der Ticket-Acquisition. Interessant sind zum Beispiel solche Gewinnspiele, bei denen nicht alle die gleichen Chancen haben und man selber Einfluss nehmen kann. Das wären z.B. irgendwelche Geschicklichkeitsspiele, bei denen der Punktebeste die Tickets abstaubt. Dummerweise bin ich bei sowas nicht sonderlich geschickt und entdeckt hab ich ein solches Gewinnspiel mit Champions League Tickets auch nicht (nicht, dass ich danach gesucht hätte ^^), mal abgesehen von dem Dauer-Gewinnspiel einer großen Bank, bei dem ich aber aufgrund der beschriebenen mangelnden Geschicklichkeit nicht sonderlich erfolgreich war. Und dann gibt es ja da noch die Votings
Verhasst allenthalben, von den Gewinnspielveranstaltern aber dennoch immer wieder durchgeführt, da der virale Effekt hier (zumindest theoretisch) am größten ist. Für alle diejenigen, die bisher noch nicht wissen, wie sowas läuft, hier mal ein ganz schneller Crash-Kurs:
Der Veranstalter gibt ein Thema vor (“Lade dein schönstes Foto / Video zum Thema XYZ hoch!”), zu dem Beiträge eingesandt werden können. Die meisten Teilnehmer erstellen irgendwelche belanglosen Beiträge, die gerade so irgend einen minimalen Bezug zum vorgegebenen Thema haben und nerven dann im Stundentakt ihre Facebook-Kontakte, doch bitte bitte für ihr minderwertiges Gerümpel eine wertvolle Stimme da zu lassen. Am Ende gewinnt dann meistens irgend ein Beitrag, der an Einfallslosigkeit nicht zu überbieten ist, aber dafür von einem 1-Million-Facebook-Freunde-Mensch eingereicht wurde.
Und sowas soll mir jetzt weiterhelfen? Naja, vielleicht
Es ist nun wiederum nicht so, dass ich nach einem solchen Gewinnspiel Ausschau gehalten hätte, aber ihr kennt das ja. Dank Facebook bleiben einem solche Gelegenheiten nicht allzu lange verborgen. Ich wurde also darauf aufmerksam, dass ein großer deutscher Pay-TV-Sender tatsächlich noch zwei Tickets an den Gewinner eines Votings ausgeben will. Gewünscht wurden Foto-Einsendungen, als thematische Vorgabe sollten die Fotos in einem Zusammenhang mit einem der beiden Finalteilnehmer (also Bayern oder Chelsea) stehen, je nachdem mit wem man es so hält. Haja, da bin ich doch direkt dabei. Rein ins Bayern-Trikot, dazu eine passende strahlend rote Hose. In die Hand eine antiquierte FC Bayern Fahne aus den guten alten Tagen und aufs Gesicht eine selbstgebastelte Spielermaske. Voilà, fertig ist das kommende Siegerbild.
So, der erste Schritt war getan. Doch wie krieg ich nun genug Stimmen? Mal auf meine Facebook – Freundesliste geguckt: 190 Leute drauf. Wenn ich die jetzt alle zum Abstimmen kriege, reicht das dann schon? Aber andere haben 500 oder gar 1000 “Freunde”, wie hab ich denn gegen die eine Chance? Und wahrscheinlich krieg ich nicht mal alle 190 Kontakte auf meiner Liste zum Abstimmen, realistischer sind eher 19 oder 9 oder so … ^^ Es ist also nun wohl nicht zu weit hergeholt, wenn ich davon ausgehe, dass ich andere Strategien als das Penetrieren meiner Facebook – Freundesliste entwicklen muss, um hier eine Chance zu haben.
Unverhofft kommt oft
Facebook – das sind die wo es jetzt auch an der Börse gibt – kennt wohl mittlerweile so ziemlich jeder. Neben dem Austausch von allerlei seichtem persönlichen Geschwätz eignet es sich auch, in Form von Gruppen und Seiten Interessengemeinschaften zu bilden. Also z.B.: einer gründet eine FC Bayern Fanseite und alle anderen Bayernfans treten dieser Seite bei. Nungut, FC Bayern Fanseiten gibt es zigtausende und es gehört schon ein bisschen Glück dazu, dass gerade die eigene Seite von Teilnehmern “überschwemmt” wird. Irgendwie hab ich wohl zur richtigen Zeit mal gerade die richtige Seite eröffnet und so geschah es mir tatsächlich, dass meine Seite irgendwann eine 5-stellige Anzahl an “Fans” hatte. Es ist nicht so, dass ich darauf hingewirkt hätte, die Seite habe ich auch nur aus Jux gegründet, es war also mehr oder weniger Zufall, dass sie einen so hohen Zuspruch erfahren hat. Trotzdem habe ich natürlich relativ schnell die Chance erkannt, die sich mir in Zusammenhang mit dem Gewinnspiel des Pay-TV-Senders geboten hat. Ich konnte nämlich sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits musste ich nicht meine eigenen Kontakte bei Facebook mit meinen Vote-Anfragen nerven und außerdem standen mir hier 40.000 statt 190 potentielle Voter zur Verfügung. Problem an der Sache: So ziemlich keiner der Fans dieser Facebook – Seite hat auch nur irgend ein Interesse daran, dass ich bei dem Gewinnspiel am Ende als Sieger auf dem Podest stehe … hmhm … schwierig. Was mache mer nu?
“Affiliate” – Links als sprudelnde Stimmenquelle
Wer schonmal versucht hat, im Internet Geld zu verdienen, dem ist sicherlich auch das Affiliate – Marketing ein Begriff. Man empfiehlt auf einer eigenen Webseite ein Produkt, setzt einen Link zu einem offiziellen Shop, bei dem das Produkt gekauft werden kann, und wenn nun ein Besucher der eigenen Webseite tatsächlich über diesen Link zu dem Shop findet und das Produkt dort kauft, wird man vom Shopbetreiber an dem Gewinn beteiligt. Ein in etwa adäquates Konzept hab ich mir nun als Quelle für meine hoffentlich siegbringenden Stimmen ausgedacht: Ich mache auf meiner 40.000 Mann Seite aggressiv Werbung für das Gewinnspiel und belohne mich dafür ganz unbescheiden mit jeweils einer Stimme für jeden an die Zielseite verwiesenen Benutzer. Das ist natürlich grundsätzlich nicht im Sinne des Erfinders, denn eigentlich soll ja das beste Foto gekürt werden, aber sind wir mal ehrlich: das wird so auf diese Weise sowieso nicht der Fall sein. Es geht nur darum, möglichst viele Stimmen von möglichst vielen echten Menschen zu sammeln und ich bin da eben ein klein wenig kreativ
Sowas gefällt natürlich nicht jedem, aber damit muss man leben. Uli Hoeneß ist ja z.B. auch nicht Everybodys Darling.
Und wie geht das jetzt konkret mit diesem Affidingsbums – Link? Naja, Klick mit der rechten Maustaste auf den Abstimmknopf, Verknüpfung kopieren, den Link mit einem Linkverkürzer (z.B. tinyurl) in eine lesbarere Form bringen, einen schwammigen kleinen Beschreibungstext formulieren (in etwa “Hier gibt es noch die letzten Tickets für das Finale zu gewinnen. Mit einem Klick habt ihr selber die Chance auf den Gewinn und unterstützt gleichzeitig auch mich.” – das ist nicht mal gelogen
) und das dann schön im Stundentakt auf der 40.000 – Mann – Facebook – Seite posten. Alles was ich jetzt noch tun muss, ist, mich zurück zu lehnen und zuzuschauen, wie ich zuerst die Führung im Ranking übernehme und dann auch schnell mit einem riesengroßen Abstand schier uneinholbar auf Platz 1 liege.
Das Konzept scheint also erstmal tatsächlich aufzugehen, es ist weit und breit kein ernsthafter Konkurrent in Sicht. Die obligatorischen Neider tauchen auch schon auf und lassen allerlei Beschuldigungen und Beschimpfungen (in der anscheinend mittlerweile obligatorischen grauenhaften Orthografie für Facebook – Teilnehmer unter 30) ob meiner unanständig hohen Stimmenanzahl auf mich los (erst recht, nachdem dann irgendwann natürlich doch publik wird, wie diese vielen Stimmen zu Stande gekommen sind
), was mich natürlich einigermaßen amüsiert. Doch dann, klar, taucht irgendwann doch noch jemand auf, der mir im Ranking gefährlich werden kann. Einer schießt ja immer quer. Zunächst noch mit ehrfürchtigem Sicherheitsabstand, der aber mehr und mehr schwindet, sodass am Vorabend des Abstimmungsendes nur noch ein mickriger Vorsprung von ein paar Stimmen verbleibt. Sowas ist natürlich dann schon ärgerlich, ich selbst habe 1200 Stimmen, der Zweitplatzierte ein paar weniger, dahinter dann gähnende Leere und der nächstplatzierte ist dann irgendwo so etwa bei 150 Stimmen. In der Zwischenzeit habe ich mir auch schon zusätzliche Abstimmunterstützung in einem Fußballforum geholt, doch es läuft wohl dennoch darauf hinaus, dass ich den Vorsprung nicht ins Ziel werde retten können. Hrmpfgrml. Naja, es gibt 2 Tickets für den Erstplatzierten, schon der zweite geht ganz leer aus. Wie wäre es denn nun, wenn man das eben ändern würde, jeweils eines für die Teilnehmer auf den Plätzen 1 und 2? Alle anderen scheinen eh aus dem Rennen, also kann ich das doch mit meinem Konkurrenten selbst ausmachen? Gesagt, getan, etwas überraschend stimmt mein Konkurrent trotz seiner famosen Aufholjagd diesem “Deal” tatsächlich zu. Wenn jemand von uns beiden gewinnt werden wir, die ehemals verbitterten Konkurrenten, den tollen Preis einfach aufteilen und jeder von uns eine Karte erhalten. Wir teilen das (wiederum ganz unbescheiden) auch bereits vor dem tatsächlichen Ende dem Veranstalter mit, sodass da gar keine Zweifel mehr aufkommen können. Damit ist das Ding jetzt aber sicher, oder?
Zweitens kommt man anders, erstens als es denkt … oder so
Tja was soll ich sagen, irgendwie fand der Veranstalter, ein großer deutscher Pay-TV-Sender, das ganze aber irgendwie garnicht so lustig. Die Sache mit meinem “kreativen” Link hatte bereits die große Runde gemacht und selbstverständlich fanden das viele Leute irgendwie überhaupt nicht so toll wie ich. Und so erreichte mich bereits 2 Stunden vor dem offiziellen Voting-Ende eine Mail des Gewinnspiel-Veranstalters: mit meinem Link habe ich die Nutzer “in die Irre geführt” und “unlauter Stimmen gesammelt”. Die Konsequenz ist klar, Arschtritt und tschüss. Der Mob jubelt und die Tickets gehen an jemand anderen. An meinen vormaligen Konkurrenten übrigens auch nicht, denn auch aus dessen Vorgehen zur Erlangung von Stimmen ließen sich wohl irgendwelche Widersprüche zu den Teilnahmebedingungen herleiten, die in einem Ausschluss resultierten. Es wäre natürlich nett gewesen, wenn der Veranstalter, ein großer deutscher Pay-TV-Sender, mich ob meiner unfassbar fiesen und gemeinen Vorgehensweise gleich aus dem Gewinnspiel gekickt und nicht bis kurz vor Schluss gewartet hätte, bis ich über 1000 Leute auf sein Gewinnspiel und sein Angebot aufmerksam gemacht hatte, aber so ist das eben, ein Schelm wer böses dabei denkt.
Auf jeden Fall waren wieder ein paar Tage vergangen, ohne dass ich brauchbare Resultate hätte vorweisen können. Klar war jetzt auf jeden Fall eines: es geht auf den Schwarzmarkt und wie ich mich dort geschlagen habe, erfahrt ihr dann in Teil 4 meines Berichtes.
Titelbild: Tambako the Jaguar, CC BY-ND













