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Kritische Gedanken zum Blog Award 2012 von Weg.de
Es ist mal wieder soweit: Alex bricht ein bisschen aus der “Euphorie” heraus und redet Klartext. Anlass dieses Beitrages ist der gestern ausgerufene “weg.de Blog Award 2012″, der sich vornehmlich an die Szene der deutschen Reiseblogs richtet. Das klingt auf den ersten Blick natürlich super, bei genauerer Betrachtung kommen mir da allerdings einige Zweifel. Warum NIEDblog beim Award nicht mitmacht? Und weshalb auch andere Reiseblogger eine Teilnahme zumindest hinterfragen sollten?
Fangen wir mal ganz vorne an: Am gestrigen Dienstag erreichte mich eine Email von einem Herrn, der laut Signatur als Junior SEO Business Manager bei der One Advertising AG beschäftigt ist. Warum die Mail an meine private Mailadresse ging (die nicht im Impressum steht) bzw. wie diese Mailadresse in der Datenbank gelandet ist, weiß ich nicht, jedenfalls lädt mich der Absender dazu ein (“Blog Award 2012 – mach mit!”), mit NIEDblog beim “weg.de Blog Award 2012” mitzumachen.
Logbücher, Reise-Berichte und Reise-Tagebücher – schon immer war es ein Bedürfnis der Pioniere und Wandersleute von ihren Erlebnissen auf Reisen zu berichten und die gesammelten Erfahrungen mit anderen zu teilen. Heute sind es vor allem die Reise-Blogs, die Anknüpfungspunkte zwischen Fernweh geplagten Lesern und umtriebigen Schreibern schaffen.
Deshalb möchte weg.de mit dem Blog Award 2012 die herausragenden Leistungen der Travel-Blogger würdigen. Wenn Du selbst einen Reise-Blog pflegst, melde ihn doch unter blog.weg.de für diesen Wettbewerb an. Es winken tolle Preise!
Wenn ich also selbst einen Blog pflege, soll ich ihn anmelden – super Standardschreiben. Weg.de (COMVEL GmbH) möchte also unsere herausragenden Leistungen würdigen, das klingt doch sehr löblich. Schaut man sich die Sache genauer an, so kann man entweder seinen Blog selbst anmelden oder aber von Fans und Lesern nominiert werden. Das wird nun auch großflächig auf der Weg-Startseite beworben: “Schicke deinen Lieblingsblogger auf Reisen”. So weit, so gut.
Wer ist nun die One Advertising AG und was treiben die so?
Wirft man einen Blick auf die Webseite, wird schnell klar: One Advertising ist eine der führenden Agenturen für E-Commerce Performance und bietet eine breite Palette von Affiliate-Marketing, SEO, SEM bis hin zu Social Media Optimization (SMO). One Advertising sorgt dafür, dass ihre Kunden nach Möglichkeit bestmöglich sichtbar im Netz sind und dementsprechend unter den relevanten Keywords in den Suchmaschinen platziert sind. Wer sich ein bisschen mit SEM und SEO auskennt, findet schnell den Haken an der Aktion. Jedenfalls ist für eine anständige Sichtbarkeit und Positionierung das Thema Linkbuilding von großer Bedeutung – man versucht möglichst viele (und möglichst hochwertige) Verlinkungen auf seine eigenen Seite zu erhalten, wobei mit hochwertig nicht nur die Linkpopularität der verlinkenden Seite gemeint ist sondern auch deren Themenrelevanz.
Um dies zu erreichen gibt es unzählige Ansätze und “Onkel Google” versucht einem kommerziellen oder unnatürlichen Linkaufbau stets mit Änderungen seiner Algorithmen oder Anpassungen der Richtlinien entgegenzutreten. Nennen wir es einfach mal das “SEO Katz und Maus-Spiel“! Nicht neu ist in diesem Kontext die Idee von Blogparaden, erst kürzlich bei HRS gesehen und auch Thomas Cook (übrigens unter der Regie von One Advertising) hat sich zuletzt mehrfach an diesem Thema versucht. Letztlich war auch die Aktion von Wimdu in Kooperation mit Velvet Escape und Traveldudes nichts anderes. Es werden einige Preise ausgelobt und ein relevantes Thema vorgegeben – der Rest erledigt sich fast von selbst…
Worauf der Reiseblog-Award wirklich abzielt
Die Sache mit den Blogparaden hat meist nur einen Haken: es mangelt an ernst zu nehmenden Teilnehmern und hochklassigen Blogs. Positive Ausnahmen gibt es natürlich immer (z.B. die Wimdu “City I Love” Aktion), aber letztlich kommen die Backlinks zu mindestens 90% von Blogs mit schlechter Sichtbarkeit, einem Pagerank von 0 oder 1 – es sind schlichtweg Hobbyprojekte, die neben Produkttests genau dies zum Gegenstand haben, nämlich die regelmäßige Teilnahme an Blogparaden aus allen Themenbereichen. “Da muss doch noch mehr gehen“, haben sich wohl ein paar kluge Köpfe gedacht und wenden sich nun also ganz konkret an die Reiseblogger. Durch die Nominierungsfunktion und den vermeintlichen Ruhm des Sieges sollen auch die Top-Reiseblogger bei der Ehre gepackt und zu einer Teilnahme bewegt werden. Sieht ja schließlich schön aus, so ein Sieger-Award auf dem Blog und im besten Fall gibt es sogar eine tolle Reise noch obendrein
Dass ich Blogparaden und den Award thematisch etwas vermenge, hat einen einfachen Grund: es besteht für die Blogger zur Teilnahme eine Backlinkpflicht! Konkret bekommt man als nominierter (oder auch selbst angemeldeter) Blogger eine Email mit der Aufforderung, einen individuellen Code auf der Startseite (!) zu integrieren, der den Teilnehmer-Button mit direkter Verlinkung zur Aktionsseite enthält. Der Link ist natürlich im Code nicht als “nofollow” gesetzt
Eine solche Backlinkpflicht ist nicht nur unschön, widerspricht letztlich sogar den Google-Richtlinien und spricht darüber hinaus einfach nicht von gutem Stil. Die Vorteile für den Advertising-Kunden COMVEL liegen auf der Hand: hochwertige Links der besten Reiseblogs in Deutschland mit fantastischer Themenrelevanz, ggf. sogar direkte Besucherströme durch prominente Banner-Einbindung auf der Startseite, Sympathien und Vernetzung in der Szene. Überdies gibt es aber im besten Fall noch einen weiteren Vorteil von unschätzbaren Wert: haargenaue Besucherstatistiken aller teilnehmenden Reiseblogs in Deutschland! Jeder Aufruf der Startseite (und somit des Teilnehmerbuttons) wird – ähnlich wie bei Zählpixeln oder Google Adsense Einblendungen – genau erfasst und liefert COMVEL bzw. One Advertising (wenn alles nach Plan läuft und die Szene “mitspielt”) exklusive Datensätze. Ich habe da kein Problem mit, meine Besucherstatistiken auf seriöse Anfrage offenzulegen, aber dessen solltet Ihr euch eben bewusst sein.
Wie ist die Aktion nun aus Reiseblogger-Sicht zu bewerten?
Im ersten Moment winken Ruhm und Preise im Gesamtwert von 6.000 Euro. Betrachtet man allerdings die o.g. Vorteile des Veranstalters, so liegt auf der Hand, dass die Kosten-Nutzen-Relation für Weg.de durchaus mehr als positiv ausfallen kann. Mit dem Einsatz einer hochkarätigen Jury wirkt das Ansinnen natürlich gleich viel seriöser, ist es in meinen Augen aber mitnichten. Das zeigen auch die Teilnahmebedingungen deutlich, nur ein kurzer Auszug:
Wird das Blog Award-Abzeichen nicht oder auf einer Unterseite oder einem einzelnen Artikel eingebunden oder im Verlauf der Aktion entfernt, hat dies den Verlust der Teilnahmeberechtigung zur Folge. Dem Blogbetreiber wird die Teilnahmeberechtigung entzogen, wenn dieser den Code für die Einbindung des Abzeichens in irgendeiner Art und Weise abändert, den Code des Abzeichens von einem anderen Blog übernimmt oder das Abzeichen in einem iframe einbaut. Das eingebundene Abzeichen wird je nach Status im Verlauf der Aktion auf – Teilnahme, Nominierung bzw. Gewinner – von uns aktualisiert.
Ginge es wirklich um die Blogs selbst und deren Auszeichnung wäre solch ein Müll absolut unnötig. Denn tatsächlich wäre jedem Blogger daran gelegen die Aktion freiwillig (wo, wann, wie und solange er will!) zu bewerben und seine Fanbase zu mobilisieren. Selbst wenn dein Blog nun von einem dir unbekannten Fan vorgeschlagen wird, erlaubt es sich One Advertising einfach auf dieser Grundlage mit dir Kontakt aufzunehmen (ich bezweifel dass dieses Vorgehen erlaubt ist), obwohl ja der Nominierende und nicht DU als Nominierter den Teilnahmebedingungen zugestimmt hat. Und wenn du den dir unaufgefordert zugeschickten HTML-Code dann nicht einbindest, wirst du gar nicht erst gelistet. Dass ein solches Voting Manipulationen ohnehin Tür und Tor öffnet, am Ende ganz sicher nicht die BESTEN Blogs oben stehen – darüber fangen wir besser gar nicht erst an. Letztlich ist der geplante COMVEL Coup in meinen Augen ein riesiger FLOP, weshalb ich nach genauerem Hinschauen von einer Teilnahme absehe!
Ich kritisiere übrigens nicht, dass sich der Veranstalter COMVEL von einer solchen Aktion einen gewissen Werbe-Effekt erhofft und nicht nutzlos Geld und Ressourcen verbrennt. Die Art und Weise zeugt jedoch von wenig Verständnis der Bloggerszene und in meinen Augen auch einem Mangel an Professionalität. Nun scheint es auch noch technische Probleme zu geben, denn zwischenzeitlich tauchen einzelne Blogs auf der Abstimmungsseite auf, verschwinden allerdings wieder im nächsten Augenblick. Auf Rückfragen erhalten einige Kollegen (danke für die Infos!) erst gar keine Rückmeldung. Oder ist das schon die Bestrafung dafür, dass der Banner nicht nach Wunsch eingebunden wurde? Wie sieht es mit euch aus? Besucher um jeden Preis oder lasst ihr die Aktion links liegen?
Rechtliche Hinweise: Dieser Artikel war kurzzeitig offline und musste inhaltlich leicht abgewandelt werden. Im Zuge der Spiegelung und Wiederherstellung sind 4 Kommentare leider verloren gegangen. Das Titelbild dieses Artikels auf der Startseite zeigt einen Screenshot der Aktionswebseite des Blog Awards. Nach Interessenabwägung halte ich eine auszugsweise Veröffentlichung der o.g. Email im Wortlaut für vertretbar, da ich ja sogar aufgefordert wurde, diesen Aufruf zu verbreiten. Gleichwohl wurde der Absender in persona aus Datenschutzgründen anonymisiert.














Danke Alex, du sprichst vielen von uns in dieser Sache aus der Seele. Danke auch für die detaillierte Recherche und das aufzeigen von Fakten. So ist es um einiges einfacher Neulingen die Augen zu öffnen!
Sehe das ganz genauso! Habe auch mit einigen anderen darüber geredet und finde es sehr gut, dass du hier die Fakten auf den Tisch legst. Finde es toll, wenn die deutschen Reiseblogger mehr Aufmerksamkeit bekommen, aber dafür gibt es definitiv bessere Wege.
[...] Projekt handelt und dass das mehrstufige Auswahlverfahren sowie das allgemeine Vorgehen mit kritischen Augen betrachtet wird. Ziel des Konzepts war es, die Teilnahme für die Blogger so transparent und [...]
[...] machte seinem berechtigten Unmut über die chaotischen Abläufe beim Travelblogaward von Weg.de mit “Kritische Gedanken zum Blog Award 2012 von Weg.de” Luft. Und wer die Diskussion um den Award verfolgt, weiss, dass es wirklich sowas von NICHT [...]
[...] die Nominierung zum Best Blog von Travels Bloggers Unite (TBU). Gleichzeitig ärgerte sich u.a. Alex vom NIEDblog diese Woche über einen Blog-Award bei weg.de. Heike von KölnFormat hat sich für den Blog Award eingeschrieben, ihre Bewerbung dann aber wieder [...]
[...] Weg.de führt einen Blogaward durch. NIEDblog machte sich hierzu kritische Gedanken. [...]
[...] gibt es einmal den Weg.de Blog-Award, der bei einigen Bloggern zu kritischen Gedanken geführt und auf Twitter für ordentlichen Gesprächsstoff gesorgt hat. Während Blogger wie Claudi [...]
Hi Alex,
erstmal ein grosses Dankeschön für das ausführliche Aufklären über Aktionen wie diese. Ich bin zwar nicht wirklich ein Blogger-Neuling, aber trotzdem noch ein absolutes Naivchen wenn es um Marketing und Werbeaktionen in der Bloggerszene geht. Ich unterhalte meinen Blog einfach aus Spaß an der Freude und wäre wahrscheinlich für Firmen ein leichtes Opfer.
Ich habe daher zwar nicht alles genau verstnden was du beschreibst, aber die abschreckende und kritische Wirkung hatte es!
Viele lassen sich mit Sicherheit auch einfach mitreißen, weil solche Konzerne uns an der richtigen Stelle treffen: unserem Ego! Denn wer freut sich nicht, wenn er in irgendeiner Form nominiert wird (von wem auch immer…)?
Liebe Grüße,
Carina
genau genau genau .. ich habe da leider mitgemacht. wenn ich mir jetzt anschaue was da für eine merkwürdige 0815-Web-Baukasten-Seite gwewonnen hat, muss man sich sogar fragen, ob da von der super-profi-jury überhaupt einer mal drauf geschaut hat oder ob einfach die ohnehin gefakten votings zugrunde gelegt wurden. daumen ganz weit nach unten. für weg.de ist das meines eravhtens leicht nach hinten los gegangen. denn auch ich und mein umfeld zähle mich zu deren zeilgruppe. das war allerdings einmal … ahoi …