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Deutsche Bahn schenkt Google ein weiteres Geschäftsfeld
Schon eine ganze Weile wurden Forderungen laut, die Bahn solle doch ihre Fahrplan-Daten für externe Anwendungen bereitstellen. Das hat sie nun auch – allerdings nicht als “Open Data” für alle, sondern exklusiv an den Suchmaschinenriesen Google. Neben der Streckenführung per Auto oder zu Fuß gibt es nun einen dritten Button: “Öffentliche Verkehrsmittel”. Die Sache hat allerdings einen großen Haken…
Google und Bahn feiern… ja was eigentlich?
Google Transit nennt sich der neue Service, der gestern offiziell (u.a. im Google Produkt-Blog) vorgestellt wurde. Produktmanager Raphael Leiteritz nennt in seinem Beitrag naturgemäß die Vorteile des neuen Angebotes und kommt zu dem positiven Urteil: “Auf Basis der Fahrplandaten der DB ermittelt Google Transit die besten Optionen unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren wie Reisedauer und Anzahl der Umstiege.” So seien die “Verkehrsinformationen aller Züge der DB von der S-Bahn über den Regionalexpress bis hin zum ICE” erfasst, was ja ziemlich abschließend und nach einer Menge nützlicher Daten klingt. Aber was ist mit den Busverbindungen? Straßenbahnen? U-Bahn?
Absurde Routenführungen “dank” fehlender Nahverkehrsdaten
Hier liegt der Hase leider im Pfeffer, denn genau jene Daten der Nahverkehrsbetriebe fehlen laut Spiegel Online aufgrund rechtlicher Hürden und Einschränkungen durch Nutzungsverträge. Die Konsequenz trägt absurde Früchte: Statt eines deutlichen Hinweises auf das Fehlen dieser Daten berechnet Google den Fußweg zum nächsten Bahnhof. Insbesondere Touristen, die völlig ortsunkundig sind, erweist man damit natürlich einen Bärendienst. Beispielhaft nehme ich mal das Ramada Hotel Frankfurt-Messe als Ausgangspunkt, denn dieses liegt einerseits einen Steinwurf von meinem Elternhaus entfernt, andererseits ist es täglich Gastgeber unzähliger asiatischer Touristen und Messe-Besucher. Als Ziel gebe ich beispielhaft die Schöffenstraße in Frankfurt-Griesheim ein.
Google empfiehlt also auf Grundlage der DB-Daten einen zunächst 29minütigen Fußweg zum Bahnhof in Frankfurt-NIED, um anschließend mit der S-Bahn eine Station nach Griesheim zu fahren und von dort erneut 10 Minuten zu laufen. Kalkuliert sind hierfür (wenn alles passt, es gibt ja z.B. noch die Bahnschranken mitten in Nied) 42 Minuten. Verschwiegen wird, dass direkt vor dem Hotel die RMV Buslinie 59 abfährt und auf direktem Wege binnen 12 Minuten die Schöffenstraße ansteuert! Es werden sicher noch zahlreiche Beispiele im Netz auftauchen (auch Jürgen Vielmeier hat die Umsetzung kritisiert), bei denen man den Google-Umweg auf die Spitze treiben kann. Was zudem festzustellen ist: der vermeintlich direkte Link zum Fahrkartenkauf ist auch nicht auf Anhieb als solcher zu identifizieren!
Ein ernüchterndes Fazit und die Frage nach dem “Warum”
Insgesamt ist die Umsetzung also noch absolut unausgereift. Aber auch wenn diese Mängel beseitigt werden, muss sich die Deutsche Bahn eine Frage gefallen lassen: Warum stellt sie ausgerechnet dem Datenmonopolisten Google die Informationen zu Verfügung? Und das dem Vernehmen nach sogar kostenlos, was der kalifornische Riese natürlich monetarisierend zu nutzen wissen wird. Während die Konkurrenz aus dem Hause Yahoo und Microsoft ebenso in die Röhre schaut wie freie (z.B. App-)Entwickler…
Foto: ICE-T Einfahrt, Kyle Gradinger (flickr)















[...] in Großstädten) erscheinen nicht. Was dann zu wirklich hanebüchenen Routenempfehlungen führt. Kein Wunder, dass es letztlich eher Kritik gibt, wie bspw. von Alex vom NIEDblog.de. Dann wird sich wohl jetzt jede Verkehrsgesellschaft selbst kümmern müssen, wie es die Münchner [...]