Fragt man Buben im Kindergarten nach ihrem Berufswunsch, so lautet die Antwort nicht selten: “Pilot”. Die Faszination für die Fliegerei nimmt bei vielen Heranwachsenden eher zu und doch landen letztlich die Wenigsten auch tatsächlich im Cockpit. Zumindest nicht offiziell als Pilot. Aber kommt man denn als normaler Passagier überhaupt noch “vorne rein”? Als Kind durfte ich doch auch….
Die pauschale Antwort lautet leider erstmal: NEIN!
Grundsätzlich ist es spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 untersagt, Passagieren Zutritt oder gar einen Flug im Cockpit zu gewähren. Und doch gibt es einige Berichte über Mitflüge auf den Jumpseats oder einer Landung im Cockpit – auch ich kam bereits bei mehreren Airlines in den Genuss dieses Erlebnisses. Vielleicht sollte ich jedoch erstmal mit einer begrifflichen Erklärung beginnen: Jumpseats bedeutet nicht gleich Cockpit. Im Prinzip sind Jumpseats einfach umklappbare Sitze im Flugzeug, die speziell für die Crewmitglieder (Flugbegleiter) während der Start- und Landephasen sowie bei Turbulenzen vorgesehen sind. Sie befinden sich je nach Fluggerät und Konfiguration in aller Regel im Nahbereich der Notausgänge sowie der Galley (Küche). Zudem gibt es jedoch – und hier wird es für die meisten Leute interessant – zwei der sogenannten Jumpseats im Cockpit, unmittelbar hinter den Piloten.
Und genau dort, genauer gesagt beim Pilot in Command (dem Kommandanten/Kapitän), liegt auch letztlich die Entscheidung über jegliche Mitnahmen auf den Zusatzplätzen – sowohl in der Kabine, erst recht vorne im Cockpit. Selbst mit “nett fragen”, auf den eigenen Segelflugschein hinweisen und ähnlichen Tipps ist heute nicht mehr allzuviel zu machen – in einigen Ländern ist die Anwesenheit von Nicht-Besatzungspersonal im Cockpit mittlerweile sogar gesetzlich verboten. Insbesondere die USA – aber auch Großbritannien und Israel – verstehen da meist keinen Spaß
Der “Zutritt zum Cockpit” ist im Übrigen u.a. durch das JAR-OPS (1.100) dahingehend geregelt, dass offiziell eine schriftliche Genehmigung des Flugbetriebsleiters vorliegen muss und dennoch die letzte Entscheidungsgewalt beim Kommandanten liegt.
Wenn auch früher noch Kinder allzu gerne vorne “reinschnuppern” durften, so gibt es heute Ausnahmen eigentlich nur noch für sog. PAD (passenger available for dissembarcation), auch angelehnt “Personal außer Dienst” genannt, sowie vorab angemeldete Journalisten / Medienvertreter mit entsprechend konkretem Berichtinteresse. Auch im letzteren Fall ist der Cockpitt-Zutritt im Vorfeld meist schriftlich anzufragen und nicht immer gewährleistet. Wer nun z.B. seine Flüge bei Expedia oder anderen Portalen bucht, bekommt einen ganz normalen Sitzplatz der gebuchten Kategorie. Und bei aller Faszination für die Luftfahrt sollte man diesen Platz (und Service) auch genießen, denn ein längerer Flug auf einem “Jump” ist wahrlich kein Vergnügen
Je nachdem wie anstrengend der Dienst für die Crew war, wie der Kapitän aufgelegt ist und ob nun Feierabend ist oder noch der Rückflug ansteht, kann ein charmantes Lächeln und ein diskretes Fragen immerhin gelegentlich für eines sorgen: einen kleinen Einblick ins Cockpit NACH der Landung!
Wem nun mehrere Gegenbeispiele oder Erlebnisse aus der Vergangenheit einfallen, der sollte sich vor Augen führen, dass es immer (weniger) Leute gibt, die Regeln auch mal großzügig auslegen. Letztlich fahren auch täglich Menschen oder rote Ampeln oder mit überhöhter Geschwindigkeit. Wer bei seiner Frage nach dem Cockpit-Zutritt allerdings abgewiesen wird, sollte keinen Groll gegen die Besatzung hegen: letztlich handelt es sich um jemand Unbekannten, der unkontrolliert direkt im Rücken der wohl verantwortungsvollsten Positionen des gesamten Flugzeuges sitzen möchte. Da geht Sicherheit einfach vor!
Bildnachweis: Kent Wien, Andy Mitchell, Steve Jurvetson, Andrew Hitchcock / alle: Flickr. Artikel enthält einen gesponserten Link Expedia.














Stimmt Alex, seit dem 11.09.2001 ist es lange nicht mehr so einfach, wie es früher einmal war (Ein Hoch auf die Zeiten, in denen die Cockpittür einfach offen war und man jederzeit nach vorne sehen konnte).
Würde mich freuen, wenn du deine Verbindungen (Gerade zu LH) nutzen würdest und das eine oder andere Video machst – sicherlich auch für die anderen Leser hier interessant.
Ich hab’s kurz mal ausgewertet: Von 16 Flügen in diesem Jahr, bin ich bei 6 im Cockpit gesessen – und bei jedem weiteren Cockpit-Flug steigen die Chancen, beim nächsten mal erneut im Cockpit Platz nehmen zu dürfen.
Übrigens, ins Cockpit zu kommen ist teilweise noch das eine, eine Kamera mitnehmen und anschliessend ein Video veröffentlichen zu dürfen (offiziell) leider nochmals komplizierter – zumindest bei den Airlines die ich bisher kenne. Teilweise hatte ich Glück und durfte bei einigen Landungen die Videos veröffentlichen:
http://reisewerk.ch/2012/08/ein-platz-im-cockpit/
Gerade für eure Seychellen Reise wäre ein Cockpitvideo natürlich saucool
Ja Jeremy, LH Kontakte gibt es in der Tat einige – das hat aber nichts mehr mit Sandras Job zu tun. Der ist seit nunmehr 1 1/2 Jahren Geschichte und die Uniform hängt am Nagel
Meine drei letzten Flüge im Cockpit waren leider allesamt nachts – das hat zwar für’s Auge durchaus seinen Reiz, leider ist das Videomaterial aber nur mäßig geworden.
Und allzu gerne sehen Airlines solche Videos im Netz übrigens nicht, zumal rein rechtlich keine Rückschlüsse auf den konkreten Flug (Flugnummer, Datum) möglich sein dürfen. Und gerade letzteres ist natürlich recht schwierig, wenn man gleichzeitig bloggend über den konkreten Flug berichtet.
Seychellen habe ich auf der Agenda und stehe bereits mit der Airline in Kontakt, mal schaun. In der Woche davor wäre natürlich auch Dubai interessant
Ich glaub, für jemanden mit Flugangst wäre so ein Platz im Cockpit echt super. Dann sieht man wenigstens, was passiert…