Angkor Wat und Kambodschas mystisches Weltkulturerbe

Angkor Wat und Kambodschas mystisches Weltkulturerbe

Siem Reap: Alles Angkor oder wat?

Um ehrlich zu sein, wussten wir nicht allzu viel über die Anlagen von Angkor, als wir unseren Flug von Bangkok nach Siem Reap buchten. Klar, Bilder vom berühmten Angkor Wat hatten wir bereits reichlich gesehen und wollten die größte Tempelanlage der Welt unbedingt mal hautnah erleben. Doch was hat das Gebiet rund um Kambodschas wichtigste Sehenswürdigkeit sonst noch zu bieten? Wir wollten es einfach auf uns zukommen lassen, entschlossen uns für einen praktischen 3-Tages-Pass (der an drei Tagen innerhalb einer Woche genutzt werden kann) und stürzten uns in die zauberhafte Welt der alten Khmer.

Schnell wurde uns bewusst, dass die Dimensionen des historischen Königreiches “Kambuja” unsere schwammigen Vorstellungen doch deutlich übertrafen. Glaubt man den Überlieferungen, so haben in der Blütezeit der Khmer eine Million Menschen im Großraum Angkor gewohnt und damit eine der bedeutendsten Metropolen der Welt gebildet. So wurden nach und nach immer weitere Hauptstädte errichtet, deren jeweiliges Zentrum von einem großen Haupttempel geprägt wurde. Angkor Wat ist zwar bis heute die größte Anlage geblieben, doch vor allem der spätere König Jayavarman VII. ließ mit Meisterwerken wie Angkor Thom mit dem berühmten “Gesichter”-Tempel Bayon weitere wichtige Bauwerke errichten, die in ihrer atmosphärischen Schönheit das berühmte Aushängeschild Angkor Wat sogar übertreffen können.

Der Bayon Tempel steht Angkor Wat nur in Sachen Größe nach

Der Bayon Tempel steht Angkor Wat nur in Sachen Größe nach

Entdeckungsmythen und Naturgewalten

Wir möchten euch gar nicht mit historischen Fakten langweilen, dafür gibt es geeignetere Orte als einen Reiseblog. Interessant fanden wir jedoch die mittlerweile gefestigte Meinung, dass die Tempel von Angkor Jahrhunderte lang im Dschungel verschwunden waren und erst durch den Forscher Henri Mouhot im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurden. Nach allem, was bisher bekannt ist, handelt es sich dabei um einen Mythos der europäischen Kolonialmächte. Sehr wohl wussten die Khmer von der Existenz der Tempeanlagen und haben sie teilweise auch noch bis zur vermeintlichen “Entdeckung” aktiv genutzt. Nichts desto trotz hat sich die Natur ihren erbarmungslosen Weg gebahnt und viele Tempel regelrecht verschlungen.

Diese Naturgewalten sind auch heute noch vielerorts zu spüren: Manche Anlagen (zum Beispiel Ta Prohm) gehen eine mystische Symbiose mit gigantischen Bäumen ein, sodass sich unter anderem die Wurzeln großer Würgefeigen um die Mauerwerke schlingen. Andere Tempel (zum Beispiel Banteay Kdei) können den Einflüssen von außen nicht mehr wirklich standhalten und befinden sich in einem vergleichsweise schlechten Zustand. Doch fast an jedem Tempel stehen Stützen und Absicherungen von internationalen Forscherteams, um das Weltkulturerbe von Angkor noch möglichst lange für die Menschheit zu erhalten. Sicherlich tragen auch die Millionen Besucher aus aller Welt zum Verfall der Bauwerke bei, denn die Tempel sind vor allem bei Chinesen ein echter Touristenmagnet.

Ta Prohm Temple Angkor Trees

Dicke Wurzeln verschlingen mit den Jahrzehnten die Mauern von Ta Prohm

Orientierung und Schattenseiten

Da Chinesen vor allem in großen Reisegruppen unterwegs sind, kommt es vor allem in den bekannten Tempeln immer wieder zu regelrechten Ansammlungen. Tipp: Den Fahrer bitten, antizyklisch zu fahren! Mit der zunehmenden Kommerzialisierung von Angkor treten natürlich auch einige Schattenseiten auf. Die Armut im Land ist trotz großer Bemühung von Hilfsorganisationen nach wie vor beachtlich und führt zu einer erheblichen Ansammlung von Kinderarbeit. Viele Mütter haben entdeckt, dass ein bettelndes oder verkaufendes Kind für die Familie mehr wert ist, als ein Kind, das in der Schule sitzt und Geld kostet. So ist es dann fast nachvollziehbar, dass die Kleinsten bandenmäßig organisiert vor den Tempelanlagen auf Touristen losstürmen und in englischer Sprache um Süßigkeiten flehen oder Souvenirs unter die Touristenschar bringen möchten. “Sir. Ma’m. Only one dollaaar!” ist ein Satz, der jeden Besucher begleiten wird.

Aufgrund der Vielzahl an Reiseführern in Buchform und dem Wissen vieler TukTuk-Fahrer lässt sich Angkor auch problemlos ohne einen Guide erkunden. Idealer Ausgangspunkt für Touren ist der Ort Siem Reap, der über zahlreiche Unterkünfte in allen Preislagen sowie diverse Restaurants verfügt. Allabendlicher Treffpunkt der jüngeren und feierlustigen Gäste ist die belebte “Pub Street” von Siem Reap, die in ihrer Art jedoch eher an den Ballermann erinnert und nur wenig kambodschanischen Charme versprüht. Alle Hotels haben eigene TukTuk Fahrer an der Hand, die oftmals sogar einen kostenlosen Airport-Transfer anbieten, in der Hoffnung auch für bezahlte Touren zu den Tempeln gebucht zu werden. Wer sich preislich einig wird, kann von dieser Möglichkeit durchaus Gebrauch machen, da man etwaige Touren und auch Probleme in Anwesenheit von Hotelmitarbeitern verbindlicher klären kann. Häufig gibt es auch bereits ausgearbeitete Tourvorschläge, da viele wichtige Tempel im Bereich des sogenannten “Small Circuit” und des “Grand Circuit” liegen.

Leider an allen Tempeln: Bettelnde oder verkaufende Kleinkinder

Leider an allen Tempeln: Bettelnde oder verkaufende Kleinkinder (Unkenntlichmachung durch uns)

Fotoreise durch die zauberhafte Welt von Angkor

Um einen besseren Eindruck von den Tempelanlagen um Angkor Wat zu erhalten, nehmen wir euch nun mit auf eine kleine Fotoreise. Ganz oben im Artikel konntet ihr bereits einige bewegte Bilder zu sehen bekommen, nun möchten wir euch noch einige Foto-Impressionen näherbringen:

Mönch an einem der vielen Tempelanlagen von Angkor
Die Natur bahnt sich unerbittlich ihren Weg
Bild-im-Bild Ansicht: Sonnenaufgang an Angkor Wat
Sandra sucht ihre innere Mitte
Seitenansicht vom berühmten Tempel Angkor Wat


Hoteltipps Siem Reap & Umgebung


Wir haben uns diverse Hotels in Siem Reap und Umgebung näher angesehen. Im Budgetbereich überzeugte uns das Gloria Angkor Hotel (18-25 EUR pro Nacht) mit allabendlichen Shuttle-Service ins Zentrum, sauberen Zimmern und einem netten Pool. Ähnlich ansprechend trotz niedriger Preise empfanden wir die Golden Temple Villa, deren Betreiber mit dem Golden Villa Hotel auch ein sehr schönes Mittelklasse-Hotel geschaffen haben. Wer jeden Dollar zwei mal umdrehen muss und auf absolute Sparkategorie angewiesen ist, findet in Siem Reap auch Unterkünfte ab 4 US Dollar, in diesem Bereich können wir allerdings keine Empfehlungen aussprechen.

Mit Preisen unter 70 EUR pro Nacht punkteten bei uns zudem das wunderschöne Bunwin Boutique Hotel sowie das Diamond D’Angkor Boutique Hotel. Hier bekommt man für sein Geld schon luxuriöse Annehmlichkeiten in charmanter Atmosphäre. Wer unter Luxus jedoch nur das Beste versteht, sollte die stilvollen Hotels von Park Hyatt Siem Reap und Raffles Grand Hotel d’Angkor (im Kolonialstil) in die nähere Auswahl nehmen. Die Superlative gibt es dann im Amansara Resort, das allerdings auch mit Preisen ab 1000 EUR pro Nacht zu Buche schlägt! Es haben sich aufgrund des Hypes um Angkor Wat in der gesamten Umgebung Unterkünfte angesiedelt, sodass wirklich für jeden Geldbeutel und Geschmack etwas dabei sein sollte.


Alex

Alex Mirschel ist Diplom-Verwaltungswirt, der mit den Jahren seine berufliche Heimat in der Touristik gefunden hat. Heute ist er professioneller Reiseblogger und Social Media Berater, zudem betreibt er seit 2010 verschiedene Webprojekte und erfolgreiche Reise-Portale. Alex ist unter anderem Gründer des mehrfach ausgezeichneten Inspirationsportals 100Urlaubsziele.de, der Informationsseite TravelKlima.de sowie NIEDblog.de, dem führenden Luxus-Reiseblog für Paare.

3 Kommentare

  1. Wong
    8. September 2015 / 19:22

    Wir haben Angkor Wat auch als großartiges Ziel erlebt. Ziemlich viel geht allerdings verloren, wenn man sich mit Touristenscharen durch den Tempel schiebt (dazu auch der Link im Kommentar 😉 Den Bayon fanden wir nicht halb so beeindruckend. Ta Prohm ist dafür unangefochten der Hit 😉

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