Umwege des Schicksals: Welcome to Canmore!

Umwege des Schicksals: Welcome to Canmore!

Nach unserem Einstieg in Lake Louise und Banff steht mit Jasper der Höhepunkt unserer Reise durch die kanadischen Rocky Mountains an. Gut drei Stunden Fahrt über den Icefields Parkway, eine der mehrfach ausgezeichneten “Traumstraßen der Welt”, liegen vor uns.

Und wenn uns nicht schon der einzigartige Panorama-Highway 93 in Freudentaumel versetzt, dann wird es spätestens unser Programm in Jasper tun:

Noch am Nachmittag Schlittschuhlaufen mit anschließendem Dinner am Pyramid Lake, ein Ice Walk durch den Maligne Canyon und zum krönenden Abschluss eine ausgiebige Hundeschlittentour (Dog Sledding) mit Huskies. Jasper hat viel zu bieten und die 4 Tage werden ein fantastisches Abenteuer!

Highway 93 Icefields Parkway

So zumindest unser Plan. Also gut: Die Sache mit dem Abenteuer sollte sich bewahrheiten. Doch wenn man eines lernt beim Reisen, dann ist es flexibel zu bleiben und Dinge so zu nehmen wie sie kommen. Mit den ersten Schneeflocken des Morgens machen wir uns auf den Weg und tatsächlich ist die Winterlandschaft des Parkways ein wahrer Traum.

Ein Traum, abseits jeglicher Zivilisation, ganz so wie man sich Kanada eben wünscht. Schon nach 15 Minuten Fahrtzeit gibt es keinen Handyempfang mehr und die nächste Tankstelle liegt 200 Kilometer vor uns. Während der ersten zwei Stunden treffen wir auf insgesamt drei andere Fahrzeuge. Nur wir – und die kanadische Natur!

Reiseblogger Alex bei der Arbeit

Der Schnee wird stärker, auf halber Strecke ist die Straße vom Himmel kaum mehr zu unterscheiden. Mitten in der Wildnis anhalten und auf “besser Wetter” warten? Keine Option. Vorsichtig tasten wir uns durch die weiße Masse, mit gedrosseltem Tempo und voller Konzentration bahnen wir uns den Weg. Und dennoch kommt, was rückblickend kommen musste:

Es erwischt uns in einer völlig vereisten Kurve und unser Jeep verabschiedet sich mit einem lauten Grummeln in den Graben. Irgendwie sind wir selbst schuld, als wir unser Kanada-Motto angekündigt hatten: Die Rocky Mountains abseits der Piste. Nun stehen wir in der eisigen Kälte irgendwo im Nirgendwo. Das Auto beschädigt und nicht mehr rangierfähig, wir in einem ersten Schneesturm ohne Handynetz.

Just white: Schneesturm auf dem Icefields Parkway

Abseits der Piste: Unser Auto im Schneegraben

Unsere immer hektischeren Befreiungsversuche schlagen fehl, das Auto bewegt sich keinen Zentimeter mehr. Realistisch betrachtet wäre es sinnlos in dieser eingeschneiten Landschaft nach Hilfe zu suchen, wir bleiben also im Fahrzeug, kuscheln uns aneinander und bangen. Die Minuten ziehen sich wie Stunden, wir haben zwar warme Kleidung dabei, aber für eine komplette Nacht im Eis wird es nicht reichen.

Glück im Unglück kommt kurz darauf ein schwarzer Ford Truck F-150 vorbei, in dem sich Hendrik und seine Frau Edsia mitsamt den drei Kindern auf dem Heimweg vom geplanten Wochenendausflug befinden, den sie frühzeitig beendet haben. Unsere südafrikanischen Retter sind 2007 nach Kanada immigriert und werden die persönlichen Helden unseres Urlaubs. Die Familie ist eigentlich vollgepackt bis unters Dach, doch sie bezeichnen sich selbst als unsere einzige Chance hier rauszukommen.

Kurzerhand werden die beiden Söhne mit den Hunden in die Ladezone verfrachtet. Sie verbringen die gut zweistündige Fahrt zurück nach Lake Louise also eingequetscht im Kofferraum, damit wir und unsere wichtigsten Habseligkeiten mitgenommen werden können. “Wer weiß, in wie vielen Tagen euer Auto geborgen wird”, sagt Hendrik. In Lake Louise können wir endlich die ersten Anrufe tätigen und Avis über den Zwischenfall in Kenntnis setzen.

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Etwas hilflos, ohne Auto und Unterkunft, ergreift Hendrik das Kommando und bietet uns an, die Familie erstmal nach Hause zu begleiten. Während wir in seinem Wohnzimmer am Kamin einen vorzüglichen Kaffee schlürfen, telefoniert Edsia die Hotels der Stadt ab und findet mit dem Ramada Hotel mehr als nur eine “Notunterkunft”.

Derweil verrät uns Hendrik die Geheimtipps seiner Wahlheimat und bietet uns an, gleich am nächsten Morgen einen gemeinsamen Ausflug zu unternehmen. Eine Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit, die uns wirklich berührt hat und ganz nebenbei aus einer schicksalhaften Situationen eine fantastische Reise machen sollte. Welcome to Canmore!

Canmore in der Dämmerung

Zwei Nächte nach dem verhängnisvollen Unfall fuhr Alex gemeinsam mit Hendrik in einer großen Abschlepp-Kolonne zurück zur Unfallstelle, um unser restliches Gepäck zu holen und den Mietwagen zu bergen. Noch immer herrschte in der Region starker Schneefall und die Sicht war eingeschränkt. Die Reisekasse war mit diesem Missgeschick zwar im Eimer, doch immerhin ist von uns niemand zu Schaden gekommen!

Wo wir nun gelandet sind, erschließt sich uns erst langsam am nächsten Morgen. Am Rande des Nationalparks gelegen ist Canmore, das wir zugegebenermaßen vorher noch nie gehört haben, ein beliebtes Domizil für Kanadier und gilt als vergleichsweise günstigerer Geheimtipp zu Banff oder Lake Louise.

Ein erster Spaziergang durch das charmante Städtchen am Bow River offenbart uns seine ungeahnte Schönheit – eingebettet zwischen den hochaufgeschossenen Bergen der Rockies warten malerische Seen und ein fast märchenähnlicher Wald im weißen Winterkleid auf uns. Der Begriff “Winter Wonderland” muss ohne Übertreibung für Canmore erfunden worden sein!

Canmore: Romantisches Winter Wonderland

Märchenwald: Policeman's Creek Trail in Canmore

Bow River in Canmore

Wir verbringen unvergessliche Tage in einer Stadt, die wir sonst nicht mal bemerkt hätten. Ist es das, was man gemeinhin “Schicksal” nennt? Die aufopferungsvolle Hilfe wildfremder Menschen, die ihre eigenen Söhne im Kofferraum transportieren, um zwei “gestrandete” Deutsche aufzugabeln?

Ganz ohne Zweifel haben wir Hendrik und Edsia, die uns auch das Umland von Canmore zeigten (z.B. die Westerndörfer am Cowboy Trail), unheimlich viel zu verdanken. Unser gemeinsames Abendessen im hervorragenden Restaurant Gaucho in Canmore am letzten Abend kann allenfalls eine nette Geste von uns gewesen sein, daher auch nochmal an dieser Stelle: Thank you very much, Hendrik and Edsia!


Alex sagt:
Das Fazit kann insgesamt nur lauten – Glück im Unglück! Hendriks Hilfsbereitschaft hat mich aus den Socken gehauen und mit seiner Empfehlung Canmore lag er bei mir goldrichtig: ein traumhaftes Städtchen, das wirklich alles bietet! Mein Tipp: Ein Abend im “Grizzly Paw Restaurant” mit mehrfach ausgezeichneten Bieren und uriger Atmosphäre! Bis auf die recht hohen Mehrkosten durch den Unfall war es ein tolles Erlebnis.
Sandra sagt:
Canmore hat mich durchweg positiv überrascht. Auch hier hat man alle Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten. Ob Skifahren, Schlittschuhlaufen oder Shopping – alles ist in Laufreichweite oder in wenigen Minuten mit dem Auto zu erreichen. Selbst Hundeschlittentouren werden angeboten. Tipp: Frühstück in der Bagel Co. – leckere Bagels in allen Varianten und guter Kaffee zu vernünftigen Preisen. Das Schicksal hat es wohl gut mit uns gemeint!

Canmore-Panorama

“Unverhofft kommt oft” heißt es so schön. Ein Glück, dass uns Canmore mehr als begeistern konnte. Romantische Wanderpfade durch schneebedeckte Tannenwälder, schöne Panorama-Ausblicke vom Bow River auf die Rocky Mountains sowie kleine, stilechte Geschäfte und Restaurants.

Für Canmore vergeben wir:

4,0 Herzen

Romantikfaktor: 4,0 von 5 Herzen

Die kleine Stadt mit etwa 12.000 Einwohnern glänzt nicht nur mit natürlicher Schönheit, sondern hat auch für Aktivurlauber jede Menge zu bieten. Dog Sledding, zahlreiche Seen zum Schlittschuhlaufen, ein Nordic Centre für Cross Country und Biathlon, Ice Climbing und vieles mehr. Zudem ist der Banff Nationalpark und alle Sehenswürdigkeiten sowie die großen Skigebiete nur einen Katzensprung entfernt. Alles in allem macht das…

4,0 Sonnen

Unterhaltungsfaktor: 4,0 von 5 Sonnen

Viele Hotels liegen an der Hauptstraße (Bow Valley Trail), was lärmmäßig keine größeren Auswirkungen hat. Wir waren im Ramada Inn and Suites untergebracht, wo das Doppelzimmer selbst in der Hauptsaison vergleichsweise günstige 99 Dollar inklusive Frühstück kostet. Hierbei müssen wir jedoch anmerken, dass diese Zimmer nach hinten zur Railway hinausgehen und durchschnittlich 4 mal pro Nacht ein langer Güterzug gefühlt durch das Schlafzimmer fährt. Tipp: Für etwa 15 Dollar Aufpreis gibt es ein Zimmer zum Bow Valley Trail bzw. hilft wohl in der Nebensaison auch einfach ein freundliches Lächeln und die höfliche Nachfrage an der Rezeption 😉

Insgesamt ist das Hotel solide bis gut, verfügt über geräumige Zimmer mit Mikrowelle und Kühlschrank sowie einen Hotelpool mit Erlebnisrutsche. Unzählige Fastfood-Ketten sind direkt an der Hauptstraße, zwei große Supermärkte sind ebenfalls in Sichtweite und nach einem kurzen Spaziergang ist man bereits downtown im “Stadtzentrum” mit guten Restaurants.

Der von uns unternommene Ausflug entlang des “Cowboy Trails” ist ein wirklich unterhaltsames Vergnügen und bietet eine kleine Zeitreise in eine Welt, wo Pferde und Rinder noch im Mittelpunkt des Alltags stehen. Nicht verpassen sollte man das zu Recht zahlreich ausgezeichnete “Chuckwagon Cafe” mit dem womöglich besten Steak Kanadas – zum Frühstück wohlgemerkt! 😉

Alex

Alex Mirschel ist Diplom-Verwaltungswirt, der mit den Jahren seine berufliche Heimat in der Touristik gefunden hat. Heute ist er professioneller Reiseblogger und Social Media Berater, zudem betreibt er seit 2010 verschiedene Webprojekte und erfolgreiche Reise-Portale. Alex ist unter anderem Gründer des mehrfach ausgezeichneten Inspirationsportals 100Urlaubsziele.de, der Informationsseite TravelKlima.de sowie NIEDblog.de, dem führenden Luxus-Reiseblog für Paare.

4 Kommentare

  1. 3. März 2013 / 21:56

    Ja genau, das was ihr erlebt habt und was euch an Herzlichkeit widerfahren ist, nennt man wohl Schicksal. Ihr habt ein wunderschönes Fleckchen Erde auf überraschendem Umweg entdeckt.

    Der neue Blog-Auftritt und die Bewertungsart der Reiseziele gefällt mir wirklich gut 🙂

    LG Christina

    • 4. März 2013 / 10:12

      Schön, dass es dir hier im neuen Stil gefällt, liebe Christina und danke für die netten Worte. Ich glaube dieses kleine Reise-Abenteuer hat uns vor allem eines gelehrt, nämlich mal wieder richtig zu REISEN. Ohne bis ins letzte Detail durchdachte Pläne, einfach mal spontan auf einen Ort einlassen und auf eigene Faust erkunden… ein guter Vorsatz für unsere Weltreise 🙂

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